Hoftagebuch

Mit dem Erwerb unseres Hofes in Aarbergen-Kettenbach (erste Erwähnung 845 a.D.), zu dem neben dem Wohnhaus eine große Scheune, ein alter Stall, ein Torhaus, ein Garten und ca. 5 ha Acker- und Grünland gehören, nahm die Idee eines historisch geführten Hofes konkrete Formen an. In unserem Hoftagebuch informieren wir über den Fortschritt unseres Vorhabens, das bis zu seiner Vollendung sicherlich noch 5 Jahre in Anspruch nehmen wird, da wir weitgehend auf Fremdarbeiter verzichten wollen.

Frühjahr 2005
Die Restaurierung des Hofes geht voran. Das Wohnhaus wurde neu verputzt und gestrichen, Sprossenfenster aus massiver Eiche eingebaut, Haus- und Nebeneingangstür erneuert und ein neues Vordach errichtet.

Die Schmiede im alten Torhaus ist fast funktionsfähig, große Boxen für die Pferde und Esel in der Scheune eingerichtet, das alte Hühnerhaus wieder in Betrieb genommen und ein Offenstall für das Winterquartier der Schafe gebaut.

Im Garten weicht nach einem Jahr Arbeit langsam die Wildnis. Die ersten Flechtzäune sind gezogen und auf den Beeten wachsen schwarze Johannisbeeren, Mangold, Erbsen, Ackerbohnen, Pflücksalat, Radieschen, Kohl sowie diverse Kräuter wie Salbei, Thymian, Bohnenkraut, Liebstöckel, Majoran, Baldrian, Pfefferminze, Melisse und Ysop. Die ersten Versuche im Anbau von Färberpflanzen (Krapp, Waid, Wau, Färber- und Kardedistel) haben begonnen. Die im Haus vorgezogenen Kalebassen (Flaschenkürbisse) erobern fleißig die Südseite des Hauses. Weiterhin haben sich Frauenmantel und Akelei angesiedelt. Weitere Beete werden im Laufe des Jahres angelegt, um u.a. Pastinaken, weitere Kohlsorten und Lein anzubauen.

Am 03.04.2005 brachte unsere Altaue Agnes ein gesundes Zwillingspärchen (Harald und Melisande) zur Welt. Drei Wochen später, am 25.04.2005, lammte endlich auch unsere Jährlingsaue Dörte und Klein-Lea vervollständigte unsere kleine Herde Guteschafe. Beide Geburten verliefen völlig problemlos, auch Vater Lars scheint sich in seiner neuen Rolle wohl zu fühlen und erträgt mit Engelsgeduld die kleinen Rabauken. Jetzt wissen wir, warum es "Bockspringen" heißt ;-)

Zwischen Kaltblut Guinness und Esel Manolito hat sich eine dicke Männerfreundschaft entwickelt. Daß der eine ohne den anderen nirgendwo hingeht, stellt uns bei der Arbeit schonmal vor Probleme, wenn Manolito seine Boxenwand überklettert, um seinem Kumpel zu folgen.

Sommer 2005
Friese-Shire-Mix Maya zieht zu uns! Die 10-jährige, riesige Rappstute bringt viel frischen Wind in die Männertruppe. Trotz ihrer Größe ist sie sehr umgänglich und vorsichtig. Da sie bisher überwiegend auf der Weide stand und nur gelegentlich geritten wurde, wird sie nun langsam von uns an ihre neuen Aufgaben herangeführt.

Im Garten grünt und wuchert das Gemüse, die Kräuter- und Färbepflanzen. Unkrautjäten und Gießen gehören nun zun den Hauptaufgaben.

Herbst 2005
Der Sommer weicht dem Herbst und auch wir müssen Abschied nehmen. Unsere Lämmer müssen zum Metzger und obwohl dieser Schritt von Beginn an geplant war, überkommt uns doch ein wenig Wehmut. Dennoch freuen wir uns über das gute und schmackhafte Fleisch; der Lohn für ein Jahr Arbeit.
Auch von Lars, unserem Schmuseschafbock, müssen wir uns verabschieden. Nach einer Kolik, die vermutlich auf Fütterung durch Spaziergänger zurückzuführen ist, mußten wir ihn einschläfern lassen.

Von einem Archehof holten wir Verstärkung für unsere geschrumpfte Schafherde. Bock Eberhard und Aue Gertrud werden hoffentlich im nächsten Jahr für reichlich gesunden Nachwuchs sorgen.

Den Kalebassen ist der sonnenreiche Sommer gut bekommen und wir hatten eine reiche Ernte.
Die ersten Waidkugeln sind entstanden, Bohnen und Kräuter getrocknet und der Garten für die Winterpause vorbereitet.

Winter 2005/2006
Villicus wird Nutztier-Archehof! Info

Der Frost macht hungrig... auch Reinecke Fuchs, der die letzten unserer alten Legehennen geholt hat, kaum daß die Aufstallpflicht wegen der Vogelgrippe aufgehoben war.

Die Schafe sind in ihrem Winterquartier und trotzen im dicken Pelz der Kälte.

Die Wolle der letzten Schur ist fertig gewaschen, kardiert und zum Teil bereits zu Garn und Zwirn versponnen.

Frühjahr 2006
Der Winter dauerte ewig und noch bis April lag Schnee auf den Beeten und Feldern. Die Aussaat verzögerte sich erheblich und wir hoffen, daß es trotz des viel zu kalten Wetters ein gutes Jahr wird. Der Waid hat viel Samen angesetzt, so daß wir im Herbst wohl ein größeres Feld anbauen werden. Bis zum nächsten Jahr brauchen wir dann dringend eine Göpelmühle...

Der Schafnachwuchs gedeiht prächtig! Da alle Lämmer noch von unserem alten Bock Lars stammen, können wir mit den 3 Au-Lämmern Bienchen, Birgitt und Bärbel unsere Herde wesentlich vergrößern.
Manolito hat einen neuen Freund bekommen! Belmondo, ein ebenfalls 6-jähriger Eselwallach, der bisher auch nur einen Pony-Kumpel hatte, leistet ihm nun gleichsprachige Gesellschaft und das bekommt beiden Eseln sehr gut!

Sommer 2006
Die Schafschur an Pfingsten ist wider Erwarten trocken verlaufen und wir hatten trotz aller Arbeit eine Menge Spaß! Die Vliese sind bereits gewaschen und teilweise sortiert. Immerhin 10 Vliese gilt es spinn- und filzfähig vorzubereiten. Eine Heidenarbeit...

Leider hat sich noch immer keine Handspinnerin gefunden, die unsere Wolle verarbeiten kann. Die Menge ist für Hobbyspinnerinnen einfach zu groß. Also werden wir auch die Garnherstellung ab sofort selbst übernehmen.

Im Garten wird es langsam eng. Nach der langen Kälte schießen durch die plötzliche Wärme nun alle Pflanzen gleichzeitig. Waid, Wau, Krapp und Kardedisteln wuchern um die Wette.